Yin Yoga mit Stefanie Arend

Du liegst auf einem großen Kissen, deine Augen sind geschlossen, du bist vollkommen passiv und entspannt… Gute Nacht! Nicht ganz 😉
Was vielleicht ein bisschen nach Bettruhe klingt, ist meiner Meinung der schönste Yoga-Stil, der bislang noch viel zu wenig Menschen bekannt ist, die ihn allerdings ziemlich gut gebrauchen könnten: Yin Yoga!

Folded brown yoga, pilates mat on the floor with lighted rose ca

Quelle: Designed by Freepik  Urheber: Sport bilder durch Photoduet – Freepik.com entwickelt

Die Kraft der Passivität

Yin Yoga ist eine Form von Yoga, die mich schon seit einigen Jahren fasziniert. Im Gegensatz zu den häufig sehr aktiven, anstrengenden und damit Yang-orientierten Yoga-Stilen, wie Vinyasa oder Ashtanga, zeichnet sich Yin Yoga durch Ruhe, Passivität und Entspannung aus. Es geht darum, den Körper auf sanfte und passive Art zu dehnen und damit den Energiefluss im Körper zu harmonisieren.

Schon seit Monaten integriere ich Elemente des Yin Yoga in meine eigene Praxis, aber auch in meine Kurse. Die positiven Effekte – die Dehnung des Körpers und die beruhigende und entspannende Wirkung – haben mich von Anfang an begeistert. Auch meine Schülerinnen lieben die Übungen, in denen man für etwa 3 Minuten verharrt.

Ich hatte auch schon während meiner Ausbildung in Goa viel über Yin Yoga erfahren und mich selbst tiefer in die Thematik eingelesen: Dadurch, dass die Stellungen ganz bewusst passiv und ohne Muskelkraft ausgeführt werden, erreicht die Dehnung tiefere Schichten, wie unsere „Faszien“. Darüber hinaus stimulieren wir in den Übungen unsere Meridiane – die Energieleitbahnen des Menschen, durch die nach der chinesischen Medizin das „Chi“ fließt.

Doch um ehrlich zu sein, war mir das Thema „Meridiane“ bis vor ein paar Tagen noch recht fern. Wenn man „Meridiane“ googelt, dann gelangt man schnell auf Seiten, auf denen die tatsächliche Existenz der Energiekanäle wissenschaftlich diskutiert wird. Zwar habe ich in meinen Kursen hin und wieder erwähnt, welche Meridiane und Organe man mit welcher Übung stimulieren kann. Jedoch muss ich zugeben, dass mir die Zusammenhänge selbst nicht richtig klar waren.

Ausbildung im „Loft Yoga“ (Bielefeld) bei Stefanie Arend

Am vergangenen Wochenende hatte ich das Glück, an einer Yin-Yoga-Ausbildung von Stefanie Arend teilnehmen zu dürfen.
Stefanie Arend ist meines Wissens die bekannteste und angesehenste Yin Yoga Lehrerin in Deutschland (hier geht es zu ihrer Webseite: www.yin-yoga.de). Sie gibt in ganz Deutschland Ausbildungen im Bereich Yin Yoga – und vergangenes Wochenende war sie in Bielefeld, und zwar im Loft Yoga, einem wunderschönen Bielefelder Yoga-Studio von Edyta Stateczny-Kade. Glücklicherweise waren noch Plätze frei (die Kurse sind sonst leider immer sehr schnell ausgebucht), sodass ich spontan teilnehmen konnte.

Sie tut ihrem Namen alle Ehre. Ich habe Stefanie als eine sehr offene und freundliche Person erlebt, die uns das Thema Yin Yoga innerhalb von zwei Tagen auf eine sehr anschauliche Art und Weise näher gebracht hat. Besonders begeistert hat mich, neben ihrem fachlichen Wissen, ihre friedvolle und undogmatische Art.

Hier ein kleiner Einblick in den Ablauf der Ausbildung:

Tag 1:

  • ausgedehnte Yin-Yoga-Sequenz mit Fokus auf Rückbeugen
  • ausführliche Besprechung der Sequenz
  • Mittagspause
  • Yin Yoga und Faszien
  • Möglichkeit der Anpassung der Yin-Yoga Stellungen mit Hilfsmitteln
  • die individuelle Anatomie des Körpers

Tag 2:

  • ausgedehnte Yin-Yoga-Sequenz mit Fokus auf hüftöffnenden Positionen
  • ausführliche Besprechung der Sequenz
  • Yin Yoga und TCM: Meridiane, Organe, Sinnesorgane, Emotionen und Funktionen
  • Sinnvoller Aufbau von Sequenzen
  • Offene Fragen

Trotz des recht vollen Tagesablaufs ging die Ausbildung mit einer angenehmen Ruhe einher – vermutlich aufgrund der positiven Yin-Energie, die wir in den Sequenzen am Morgen hervorgerufen haben ;-).

Faszien

Stefanie hat uns den aktuellen Wissenschaftsstand zum Thema „Faszien“ vermittelt und sich dabei auch auf den führenden Faszien-Forscher Dr. Robert Schleip bezogen. Faszien sind eine bindegewebsartige Struktur im Körper, die die gesamten Muskeln, Bänder, Sehnen, Gelenke und Knochen im Körper wie ein großes Netz umhüllen. Sie erfüllen diverse Funktionen im Körper. Spannend fand ich die Tatsache, dass sie als „Sinnesorgan“ gelten, da sie die größte Anzahl an Rezeptoren und Nervenzellen in auf sich tragen. Kein Wunder, dass viele Menschen beim Yin Yoga mit den eigenen Emotionen konfrontiert werden. Dieses Wochenende habe ich am eigenen Körper die Erfahrung gemacht, dass ich nach der sehr intensiven Yin-Yoga-Praxis viel empfänglicher und sensibler für Sinneseindrücke wurde – sowohl positiver als auch negativer Art.

Viele Menschen haben darüber hinaus mit Verklebungen in den Faszien zu kämpfen. Häufig werden beispielsweise Rückenschmerzen nicht etwa durch Wirbel-, Bandscheiben- und Muskelverletzungen hervorgerufen, sondern durch das umliegende Fasziengewebe. Durch einseitige Belastungen (wie zum Beispiel das stundenlange Sitzen vor dem PC) verkleben unsere Faszien und rufen Schmerzen hervor.

Lange wurden die Faszien von der Wissenschaft ignoriert, doch heute weiß man um ihre vielseitigen Aufgaben und Funktionen im Körper. Yin Yoga bietet uns eine sanfte Möglichkeit, unsere Faszien zu befeuchten und damit gegen Schmerzen in unserem Körper vorzugehen.

Mehr zum Thema Faszien: Alles Wichtige über Faszien in 10 Punkten

Meridiane

Auch das Thema Meridiane kam nicht zu kurz. Endlich habe ich einen Zugang zu dem – nach wie vor sehr komplizierten – System gefunden. Stefanie hat uns erklärt, wie die Meridiane verlaufen, wie sie untereinander zusammenhängen und mit welchen (Sinnes-)Organen sie in Verbindung stehen.

Wir haben gelernt, wie wir Yin-Yoga-Sequenzen aufbauen können, um bestimmte Meridiane zu stimulieren und damit an Emotionen und Körperfunktionen arbeiten können. Wenn wir beispielsweise eine Sequenz durchführen, bei der der Leber- und der Gallenblasenmeridian angeregt werden, können sich als Folge positive Effekte an den Augen zeigen. Darüber hinaus können dadurch Emotionen wie Ärger und Wut reguliert werden.

Stefanie selbst hat uns beispielsweise erzählt, dass sie – unter anderem mithilfe einer Lebersequenz – ihre Augenschwäche erheblich reduzieren konnte.

Das gesamte System an dieser Stelle zu erklären, ist leider nicht möglich. Wer jedoch Interesse hat, dem empfehle ich Stefanies Buch: „Yin Yoga – Der sanfte Weg zur inneren Mitte“ und die dazu passende DVD.

 

Was an Yin Yoga so schön ist 🙂

Wenn du vielleicht gerade gedacht hast, dass das mit den Meridianen ein bisschen weit hergeholt klingt, dann sei dir das nicht verübelt. Fakt ist, dass Yin Yoga unseren Körper dehnt und beruhigt – und das ist für sehr viel mehr als für die Meridiane vorteilhaft. Wir können damit Stress reduzieren und lernen, Sorgen und Ängste loszulassen. Darüber hinaus wird unser Körper sanft gedehnt und dadurch geschmeidiger und beweglicher. Im Idealfall können wir so sogar Schmerzen reduzieren.

Das Schöne ist: Yin Yoga zu praktizieren ist kein bisschen anstrengend, sondern Entspannung pur. Denn in der Praxis sieht es häufig so aus, dass man für mehrere Minuten auf ganz vielen Kissen in einer Position liegt und sich entspannt. Klingt gut, oder?

Ob du nun Schmerzen hast oder nicht, ob du Blockaden im Körper oder in der Seele hast oder ob du dich einfach nur entspannen möchtest – Yin Yoga solltest du auf jeden Fall mal ausprobieren.

Bitte nimm Abstand von jeglichem Ehrgeiz und lass dich nicht davon abschrecken, wenn die Yogi-Models in den Büchern oder Videos sehr viel flexibler sind als du. Nimm dir so viele Polster und Kissen zur Hilfe, dass die Übung für dich angenehm ist. Es geht nicht darum, sich zu verbiegen, sondern um ein sanftes Gefühl der Dehnung!

Neben der DVD und dem Buch von Stefanie Arend kann ich auch die Videos von Yogamour empfehlen. Mehr Infos und Videos zum Thema Yin Yoga gibt es auch in meinem älteren Artikel: Yin Yoga: die Kunst des Loslassens + Tipps und Videos zum Mitmachen

Hier ein gutes Video zum Einstieg von Yogamour:

 

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13 thoughts on “Yin Yoga mit Stefanie Arend

  1. Das Wochenende war wirklich toll! Und jede/r Yogainteressierte sollte auf jeden Fall Yin Yoga ausprobieren-es ist eine wunderbare Ergänzung zu jedem anderen Yogastil! @Patrizia: Toller Blog! Man merkt deine große Leidenschaft für Yoga!

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Babsi, das freut mich! Wünsche dir viel Spaß bei deiner Ausbildung – vielleicht treffen wir uns ja sogar mal bei einer Fortbildung. Ich will unbedingt auch die Aufbaumodule bei Stefanie Arend machen.
      Liebe Grüße 🙂

      Gefällt mir

  2. Hallo……
    habe mich für nächsten Juni für das 6 Tage Modul angemeldet……freu mich schon sehr drauf…..
    Ich finde Yin Yoga hat etwas sehr berühigendes auch, man kann sich fallen lassen auch wenns nicht immer klappen will. Man kann während der Yin Sequenz sehr schön in seinen Körper reinfühlen.

    Torsten

    Gefällt 1 Person

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